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Tracht
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Giletstoff handgewebt
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Als im Herbst 2002 klar war, dass wir für die vielen neu einzukleidenden JungmusikerInnen zu wenig Gilets auf Lager hatten und dass der Stoff trotz intensiver Bemühungen unserer Schneiderin Anita Lechner-Größ nicht mehr aufzutreiben war, kam mir als gelernter Handweberin die Idee, den Stoff nachzuweben. Nachdem meine Weberkollegin Eva Hönle und ich den Originalstoff analysiert hatten und erfolgreich ein kleines Probestück (allerdings nicht in den Originalfarben) weben konnten, standen wir vor der Entscheidung, die ganze Kapelle auf neue einfache Gilets umzurüsten oder unseren individuellen Originalstoff für die Jungmusiker nachzuweben, was sich als die billigere, aber auch anspruchsvollere Variante erwies.
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Nach schwieriger Materialsuche wurden wir bei der Firma Schoeller in Vorarlberg fündig: beste Kammgarnqualität (100% Wolle) in den passenden Farben (grün, schwarz, braun, weiß, rot).
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Vorarbeiten
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Bevor eine Weberin zu weben beginnt, sind diverse Vorarbeiten zu erledigen:
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Berechnen der Kette (das sind die aufgespannten längslaufenden Fäden auf dem Webstuhl): Einstellungsbreite, Kettlänge, Kettdichte, Fadenanzahl
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Schären der Kette (Herrichten der Kettfäden in richtiger Farbfolge, Dichte und Länge)
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Aufziehen der Kette auf den Webstuhl
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Litzenstechen (Einfädeln jedes einzelnen Fadens in Litzen nach einem bestimmten Einzugsschema): bei einer Stoffbreite von 140 cm waren das 2408 Fäden!
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Blattstechen (nochmaliges Durchziehen aller Fäden durch das Webblatt)
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Anknüpfen der Kettfäden und diverse Verschnürungen der Tritte am Webstuhl.
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Das Weben
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Im Februar 2002 konnten wir mit dem Weben beginnen. Aufgrund der anspruchsvollen Bindung (System der Verbindung von Kette und Schuss) - in unserem Fall ein Doppelgewebe mit verschiedener Vorder- und Rückseite - war das Weben selbst sehr zeitaufwändig. Für einen Meter Stoff (140 cm breit) brauchten wir ca. 5 Stunden. Doch die Herausforderung, einen vorhandenen Stoff originalgetreu nachzuweben, war eine große Motivation für uns und der sichtbare Erfolg eine tiefe Befriedigung. Eva und ich webten abwechselnd, und in den folgenden Wochen entstanden 8 m Stoff, die sehr rasch und in bester Ausführung von der Schneiderei Lechner-Größ in St. Nikolai o.D. zu einem ersten Stapel neuer Gilets verarbeitet wurden. Weiterer Stoff wird von uns zur Zeit noch als Reserve gewebt.
Der Zufall wollte es, dass es in der Steiermark eine zweite Musikkapelle mit dem gleichen Giletstoff gibt: für Sinabelkirchen konnte ich vor kurzem 15 m Stoff abliefern.
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Liebe Freunde unserer Musikkapelle, überzeugen Sie sich bei unseren nächsten Ausrückungen selbst: vergleichen Sie alte und neue Gilets unserer Musiker, und Sie werden keinen Unterschied feststellen!
Elisabeth Waltersdorfer
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